Wie ich die Redaktionssitzung verpasste 3
Was zuvor geschah:
Teil 1: Gunter am Gleis
Teil 2: Der erste Eindruck zählt
Teil 3: Eisbrecher
Es waren die zumeist fragwürdigen Reaktionen und Reflexe meines Körpers die mich immer wieder in unangenehme Situationen brachten. Wie einmal im Ferienlager der siebten Klasse, als ich durch einen Geistesblitz einen bloßen Handkantenschlag für die beste Variante hielt um das Hornissennest aus dem Baumhaus zu entfernen. Glücklicherweise hatten wir Macauly Culkin damals nicht dabei. Ach nein, das waren ja Bienen. Oder als ich der kleinen L. aus der Parallelklasse aus Versehen das Nasenbein mit dem Knie zertrümmerte nur weil ich sie vor dem herannahenden Modelflieger des P. retten wollte. Kreuzgefährlich diese Dinger.
Jetzt saß ich hier und meine Augen zuckten wie irre auf und ab. Könnte das denn jetzt bitte mal aufhören? Hoffentlich würde ich nicht wieder durch irgendein Versehen ausfällig werden. Doch glücklicherweise fand das Zucken ein vergleichsweise glimpfliches Ende: Ich machte das Geräusch des Elefanten aus der Sendung mit der Maus, meine Pupillen erstarrten und ich blickte ihr direkt ins Gesicht.
Herrje wie bescheuert das wohl gerade ausgesehen haben muss. Womöglich denkt sie jetzt das ich einer diese Typen bin die bei ihrer Beschreibung auf MySpace und Dergleichen als erste Punkte immer haben, dass sie »total crazy« oder »einfach nur freaky« sind. Normalerweise ist so was ein handfester Beleg dafür, dass jemand total langeilig ist und sich darum eine tierisch nervige Attitüde kreiert hat. Doch wie sollte ich ihr jetzt beibringen, dass das bei mir nicht der Fall ist? Ich war doch einfach nur aufgeregt. Vielleicht sollte ich einfach kurz aufstehen, ein bisschen umher springen und meine Tasche schütteln um ihr zu zeigen das da nirgends eines dieser nervigen Glöckchen dranhängt.
Doch ehe ich auch nur ansatzweise auf dem Pfad hin zu einer guten Idee war, ließ mich mein Kopf mal wieder allein und in diese gewisse Leere fallen. Hmpf. Während also hinter meinen Augen ein Reboot im vollen Gange war, blickte ich in ihr fein gezeichnetes Gesicht und erwartete eine Reaktion. Nichts passierte. Vom Gefühl her hätte man in diese Zeit bequem drei bis vier Sigur Rós Stücke packen können. Oh Gott, womöglich würde sie gleich einfach kommentarlos gehen und ich würde ihr ewig als »dieser Spinner von Gleis 12« im Gedächtnis bleiben. Vielleicht wäre es doch nicht so schlecht wenn mir jetzt Gunter Gabriel zur Hilfe eilen könnte.
Aber da! Ha! Ein kleines Zucken in ihren Mundwinkeln, die Kajal-Flügelchen an ihren Augenlidern brachten sich in Stellung und sie … sie grinste mich an und ehe ich das allein erstmal für mich realisiert hatte, begann sie herzhaft zu lachen.
Wahnsinn. Das war ja jetzt wie in einem dieser Indiestreifen. In denen hatte ich bereits gelernt, dass wenn ich jetzt auch lache, wir ein paar Tage später gemeinsam in einem ungemein schicken alten Auto durch die Weltgeschichte fahren würden. Oder so ähnlich, meine Reaktion war jetzt jedenfalls erstmal gefragt und ich lachte voller Erleichterung herzhaft los.
Sie strich sich mit dem Zeigefinger eine kleine Träne aus dem rechten Auge und zog dabei so ein lustiges Koboldmakigesicht, wie es alle Frauen immer ziehen wenn sie Angst um die Wasserfestigkeit ihrer Schminke haben. »Sorry tut mir echt Leid, willst du meine haben?« Sie deutete auf die Taz die sich zusammengerollt unter dem Game Boy Color befand.
Schade das Gunter Gabriel immer noch nicht eingetroffen war, ich hätte ihm sonst unauffällig auf die Schulter geklopft und mir zusammen gepressten Lippen gesagt. »Hna wherhatte hie hidee mitder haz?« Aber ich hatte ja gar keine Zeit mich über den erfolgreich aufgegangenen ersten Teil eines Plans zu freuen, dessen zweiter Teil gerade noch in den Sternen stand.
Ich erinnerte mich an wichtige Lektionen aus meiner Kindheit. Der anfängliche Anstand würde mir weitere Türen öffnen. Immer wenn meine Oma mir 5 Mark zur Verabschiedung schenken wollte, sprang meine Mutter dazwischen: »Nein komm, das braucht nun wirklich nicht zu sein«. Die 5 Mark bekam ich dann aber selbstverständlich trotzdem stillschweigend und heimlich mit dem »sag’s aber keinem Blick« in die Jackentasche gesteckt. Eigentlich war das von vornherein allen Beteiligten klar, aber die Nummer mit der anfänglichen Ablehnung gehörte eben dazu.
Später trat dieses Phänomen wieder auf als ich meinen Führerschein hatte und gelegentlich den Fahrdienst für stark angetrunkene Silberhochzeits- oder Geburtstagsgäste antrat. War man am gewünschten Ziel angekommen gab es aufgrund der Gurtpflicht eine kurze Unterbrechung »Woisdennjetz derknnnnopf?!« und wo der Fahrgast eh einmal da mit der Hand rumhantierte konnte auch gleich das Portemonnaie gezückt werden. »Komm Junge, hier!« Es war vollkommen klar, dass ich den Schein der mir da unter die Nase gehalten wurde unbedingt haben wollte dennoch übernahm ich vorerst die Rolle meiner Mutter. »Nee komm, lass das mal stecken, ist doch selbstverständlich«. Selbstverständlich hatte ich an einem Samstag Abend nichts besseres zu tun als stark alkoholisierte Rentner umher zu kutschieren. Durchschnittlich verließen sie dann nach der dritten Ablehnung das Auto und ließen den Schein irgendwie geschickt liegen, wobei es dann zumeist noch mehr als ursprünglich war. Was sagt uns das also? Merke: Anfängliche höfliche Ablehnung kann einem im Endeffekt noch mehr bringen.
»Nee, lass mal, hatte die eh schon durch, aber Danke!« Kaum hatte ich es gesagt, da wurde mir bewusst, dass das Beispiel von damals gar nicht ziehen würde. Schließlich hatte ich ihr doch gar keinen Gefallen getan und die höfliche Ablehnung wurde womöglich nur dazu führen das sie nach einem »Hm, okay« endgültig gehen würde.
Also musste ich nachlegen. Angriff, Alles oder Nichts, Tor 3 oder der rote Umschlag. Bevor sie reagieren konnte legte ich nach: »Aber so’n Eis hätt’ ich auch gern!«. Sie guckte erst ein wenig verwundert, ja das war wohl einer dieser unerwarteten Angriffe die uns damals auch Kreispokalsieger in der B-Jugend werden ließen. Doch dann gab es wieder das kleine erleichternde Zucken im Mundwinkel und sie lachte erneut, wenn auch diesmal mit etwas Ungläubigkeit im Unterton.
Sie überlegte kurz, blickte zur Seite und »Warum eigentlich nicht? Davon kann ich eh nie genug bekommen.« Das war grade das breiteste Lächeln was ich je gesehen hatte und dann sagte sie auch noch, dass sie von Eis nicht genug bekommen könne. Wahrscheinlich würde gleich ein Zug entgleisen, es ging nicht mit rechten Dingen zu an diesem Freitagnachmittag.
Sie hätte jetzt eh unerwarteter Weise ein bisschen Zeit übrig, ich scheine wohl ein witziger Typ zu sein und wenn ich auch Zeit hätte würden wir hier um die Ecke in diesem kleinen Cafè ein Eis holen gehen. Wenn ich denn Lust hätte. Mmmmhh Eis – ich war zu allem bereit.
Ich nahm das Angebot an, wir standen auf und bevor ich die Hälfte der Zeitung entsorgte aß ich noch etwas von dem bunten Eis was vorher draufgefallen war. Sie lachte wieder und als wir gemeinsam die Treppe runter gingen fragte sie mich was ich denn hier machen würde.
Das ich eigentlich hier war um mich mit »Leuten aus dem Internet« zu treffen, von denen mich die ersten beiden bereits versetzt hatten konnte ich da jetzt unmöglich sagen. Also entschied ich mich kurzer Hand für die Abenteurer-Nummer: »Ja also ich bin einfach mal auf gut Glück hier hingefahren. Mir wurde zu Hause gerade alles etwas zu viel – einfach mal raus und so, was erleben.« Sie nickte verständnisvoll und wir gingen weiter in Richtung Ausgang.
Fortsetzung folgt



ok, einmal lass ich Dir das “Fortsetzung folgt” noch durchgehen.
Wenn ihr beide aber nicht spätestens im nächsten Teil in einem roten Käfer Cabrio in den Sonnenuntergang fahrt, während ihr weißer Seidenschal vom Wind davongetragen wird, bin ich ernstlich böse.
Ich hasse dich Herm…obwohl, mittlerweile ist es miene liebste Morgenbeschäftigung deinen Eintrag zu lesen und “mit zu fiebern”.
Also bitte mehr davon…viel mehr…z.B. wie Robert anmerkte der rote Käfer, dann die viertel vor Krise mit irgend einer alten Liebe, die sich dazwisachen zu drengen sucht (eventuell die nomnom redaktion) und dann der absolute showdown mit Kapf auf den Dächern von Berlin und kurz darauf Verfolgungsjagt auf der Spree mit expolidierenden Bundestag. Schließlich und letztendlich befreist du sie aus den bösen Fingern von dem Schurken gespielt von Mads Mikkelsen oder so.
und dann möchte ich noch einen nachfolger, in der das ganze aus der Sicht des Mädchen erzählt wird und eine aus der Sicht der restlichen nomnoms.
robert: Haha! Wir sind ja gerade mal vom Bahnsteig runter. Die Sitzung hat drei Tage gedauert! :)
Miko: Also Anne und ich sitzen noch beim Brunch.
Also. Ich bin gespannt.
Und beneide den Herm gerade um diese Begegnung.
Aber ich denke, der Herm macht sich zu viele Gedanken^^
BOAH! Nicht noch ein Fortsetzung folgt! Morgen kann ich nicht ans Internet und ich muss bis mindestens Sonntag warten! Dabei bin ich doch hochzeitsbedingt romantisch veranlagt (es heißt diese Veranlagung hält nur einen Monat, als werde bitte vor kommenden Dienstag fertig, sonst grunze ich nur noch hier ins Feld!)
Herm, lass dir ja Zeit und höre nicht auf die Drängler. Ich möchte jeden zweiten Morgen zum Kaffee einen HERM lesen. Mindestens die nächsten vier Wochen ;)
Achso, und wenn dann die Geschichte aus allen Blickwinkeln durchgespielt ist – den Teil mit Anne und Philipp beim Brunch kann man ja schnell abhaken, so ein Brunch ist ja eher mittelspannend – bitte unbedingt an die animated series denken, ja? :)
OOoooooooooh, Herm, ein Nogger für jede Fortsetzung!
also das mit dem versetzen lasse ich jetzt aber nicht auf mir sitzen…
@Anne: also auf den Kommentar habe ich ja schon die ganze Zeit gewartet ;)
also eh, ich hoffe… die geschichte ist HERMetisch abgeschlossen…
hehehehe :D kleiner wortwitz am morgen ^^ ich könnt das noch ewig weiterlesen :D solange die annekdoten und analogien nicht ausgehen.
ich glaube teil vier gibt es noch garnicht weil er teil drei parallel zu den geschehnissen geschrieben hat.