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Archiv für September 2008

Wie wäre es, wenn Objekte der Sammelwut auf einmal ihre sonstigen Besitzer in einer Kollektion anhäufen würden? Es folgt ein herrlicher Perspektivenwechsel, präsentiert von Rotofugi:


Direkt sammeln

Harvard Law School Bench
Foto CC by ATIS547

Irgendwo auf dem Gelände der Harvard Law School steht eine schwere, steinerne Bank und auf dieser schweren, steinernen Bank steht in großene, schwarzen Buchstaben:

On January 17, 1985, not far from this spot, two people met and fell in love.

Hach …

Was zuvor geschah:

Teil 1: Gunter am Gleis
Teil 2: Der erste Eindruck zählt
Teil 3: Eisbrecher

Teil 4:James würde es verstehen

Langsam und gemütlich gingen wir in Richtung Ausgang. Ich musste mir vorstellen wie sich bereits erste Bahnmitarbeiter hinter den Überwachungsbildschirmen eingefunden hatten um die Geschehnisse zwischen mir und der jungen Dame genauer zu verfolgen. Bestimmt haben die dort solche Touchscreenvorrichtungen und können Markierungen wie bei Fußballanalysen machen. Wahrscheinlich war ich gerade eingekreist und die Szene wie wir die Treppe herab gingen wurde immer wieder abgespielt. Was würde wohl Mehmet Scholl jetzt tun?

Auf dem Weg zum Eis bauten wir erstes Basiswissen auf. Auch mal wieder schön, schließlich werden solche Gespräche in dieser Form aufgrund diverser Social Network Platfformen immer seltener. Ronja hieß eigentlich Beatrix und war hier zum studieren, das Wintersemester über wollte sie in Berlin bleiben und dann mal sehen ob sie wieder zurück nach Nantes geht oder noch eine Verlängerung dran hängt. Ah Verlängerung. Für einen Moment dachte ich wieder an die Bahnmitarbeiter in der Überwachungszentrale.

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Damit niemand von Euch glaubt, hier gibt nur noch Kuschelcontent von Herm, hier ein einfach mal gemütliches, kleines Muppetvideo zum Samstagabend. The Electric Mayhem spielt Sequestered In Memphis von The Hold Steady.

Direkthititboys!

(via)

Was zuvor geschah:

Teil 1: Gunter am Gleis
Teil 2: Der erste Eindruck zählt

Teil 3: Eisbrecher

Es waren die zumeist fragwürdigen Reaktionen und Reflexe meines Körpers die mich immer wieder in unangenehme Situationen brachten. Wie einmal im Ferienlager der siebten Klasse, als ich durch einen Geistesblitz einen bloßen Handkantenschlag für die beste Variante hielt um das Hornissennest aus dem Baumhaus zu entfernen. Glücklicherweise hatten wir Macauly Culkin damals nicht dabei. Ach nein, das waren ja Bienen. Oder als ich der kleinen L. aus der Parallelklasse aus Versehen das Nasenbein mit dem Knie zertrümmerte nur weil ich sie vor dem herannahenden Modelflieger des P. retten wollte. Kreuzgefährlich diese Dinger.

Jetzt saß ich hier und meine Augen zuckten wie irre auf und ab. Könnte das denn jetzt bitte mal aufhören? Hoffentlich würde ich nicht wieder durch irgendein Versehen ausfällig werden. Doch glücklicherweise fand das Zucken ein vergleichsweise glimpfliches Ende: Ich machte das Geräusch des Elefanten aus der Sendung mit der Maus, meine Pupillen erstarrten und ich blickte ihr direkt ins Gesicht.
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Was zuvor geschah:
Teil 1: Gunter am Gleis

Teil 2: Der erste Eindruck zählt

Wenn man mich fragt wie denn mein Typ Traumfrau aussieht sage ich immer, dass ich keinen habe, das Gesamtbild muss halt stimmen. Hier hatten wir nun so ein Exemplar. Sie sah aus wie Ronja Räubertochter mit Mitte Zwanzig und hatte sich links und rechts an die Lider ihrer tiefbraunen Augen solche kleinen Flügelchen mit Kajal gemalt. Hach. Neben ihre Beine hatte sie eine Tasche voller Bücher abgestellt. Genauer gesagt einen schwarzen Stoffbeutel mit dem Aufdruck des arte Logos. Ich traute meinen Augen kaum, als ich dann auch noch sah, dass auf all den Büchern und losen zerknitterten Zetteln ein kleiner gelber Game Boy Color lag. Was für eine Frau.

In der rechten Hand hielt sie ihr Mobiltelefon in da sie munter plauderte und in der linken eine Eiswaffel mit genau 3 Kugeln: Schokolade, Cookies und irgendetwas undefinierbares – auffällig bunt war es auf jeden Fall. Ein Hang zum Klassiker mit Offenheit für Neues, wir würden wunderbar zusammen passen.
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Eigentlich hätte es richtig schön werden sollen. Alle 3 Nommer endlich Mal wieder vereint und zwar zur ersten offiziellen Redaktionssitzung/Klassenfahrt. Aus terminlichen Gründen konnte ich allerdings erst einen Tag später anreisen, was an sich eher trivial klingt, letztendlich aber doch einige Probleme mit sich brachte. In den nächsten Tagen möchte ich an dieser Stelle nun ausführlicher darüber berichten.

Teil 1: Gunter am Gleis

Alles verlief nach Plan. Ich war 10 Minuten vor der Zugankunft am Bahnhof, konnte mir also bequem noch etwas zu lesen kaufen und dann langsam schwer bepackt zum Gleis trotten. Noch nicht mal im Zug gab es Probleme. Ich fand sofort einen Sitzplatz und das wo der doch nach Berlin fuhr, da wollen sie doch eigentlich alle hin. Weder quäkende Kinder noch gekünstelt schnaubende Excel Männer neben mir. Wenn der Tag so weiterverlaufen würde, wäre ich am Abend wahrscheinlich Multimillionär und verheiratet mit Kate Nash.

In Berlin angekommen stürmte ich aufs Gleis wie in einem alten Heintje Film, hier sollte irgendwo das nomnomnom Kollegium stehen und auf mich warten. Ich hatte mir die ganze Zeit überlegt wie sie mich wohl begrüßen würden. Mit Sicherheit haben sie den Tag Vorsprung genutzt um eine kleine Nettigkeit zu basteln. Ein großes Schild mit meinem Namen, ein noch größeres Lebkuchenhermz oder gar Feuerwerk? Womöglich sogar eine Ramones Coverband.

So sehr ich aber auf dem Gleis umher irrte und Ausschau nach ihnen hielt, nirgends war ein bekanntes Gesicht zu sehen. Wahrscheinlichlich haben sie in der untersten Etage das Lebkuchenhermz nicht in den Fahrstuhl bekommen und brauchen noch einen Moment. »Alles easy« dachte ich, bin ja nun auch kein Unmensch. Moment, hatte ich gerade tatsächlich »Alles easy“ gedacht? Hoffentlich hatte ich es nicht leise vor mich hergemurmelt. Erste Skepsis machte sich breit und ich hatte Angst, dass mir aus dem Nichts Gunter Gabriel auf die Schulter klopft und mir mit einem »Recht hast du Junge« zufrieden zunickt.

So langsam müssten sie jetzt aber mal kommen, eine Viertelstunde war bereits vergangen. Nach einer halben Stunde hörte ich auf Ausschau zu halten und setzte mich auf einen dieser Gittersitze am Gleis. Aber hier würden sie mich womöglich nicht sehen wenn sie mit den Luftballons der Rolltreppe hochgefahren kommen. Egal, so würde ich es Gunter Gabriel auch nicht so einfach machen, alles easy. Argh!

Anderthalb Stunden waren bereits vergangen. Zusammengesackt starrte ich mit steifem Blick die Bahnschienen vor mir an. Ich hörte gerade »Fernando« von Abba als sich der Akku des MP3-Players verabschiedete. Das hatte mir ja gerade noch gefehlt, wo doch Musik der beste Divisor jeglicher Wartezeit ist. Ich blickte weiter in Richtung der Schienen und versuchte Melodien aus dem Fiepen meines linken Nasenlochs zu kreieren.

Als ich alle Refrains der Lieder die je eine deutsche Fußballnationalmannschaft zu einem internationalen Turnier aufgenommen hatte, erfolgreich gefiept hatte und erstes Seitenstechen vom taktvollen Atmen bekam, verging mir auch daran die Lust. Gelangweilt und ein wenig desillusioniert blickte ich noch einmal dem Bahnsteig entlang. Womöglich hatten mich die Beiden vergessen und unterhielten sich gerade beim »brunchen« in einem hippen Szenecafé über ihre Macbooks. Ich sah vor meinem inneren Auge das fiese Glänzen in Phils Augen während er an seinem Moccacino nippte. Selbstverständlich wusste er das ich seit anderthalb Stunden am Bahnhof sitze, selbstverständlich würde er die 17€ für das Brunch-Buffet für Anne bezahlen. Hätte ich mir denken können.

Meine Gedanken würden aber abrupt durch einen Blick zur rechten Seite unterbrochen. Woah. Zwei unbequeme Drahtgeflechtsitze neben mir saß eine junge Dame die ich in diesem Augenblick wohl angesehen haben muss als würde ich gebannt darauf Warten das auf allein 3 Feldern eines Glücksspielautomaten vor meiner Nase Sonnen erscheinen. Der vermeintliche Augenblick dauerte zugegebener Maßen mehrere Augenblicke lang, allerdings blinkten da ja auch quasi 3 Sonnen vor mir auf. Nebeneinander! Ich hatte kurzzeitig die Sirenen vom Anfang von »Anton aus Tirol« im Kopf und fiepte mit meinem linken Nasenloch die 3 markanten Töne aus »Blockbusteeeeeer« von Sweet. Ich hatte keine Zeit mir Gedanken über diese Ausgeburt meiner Psyche zu machen, ich musste handeln.

Fortsetzung folgt


Foto CC by pipiwildhead

Anne, Herm und ich sind ab heute gemeinsam in Berlin unterwegs. Wir feiern unsere erste echte nomnomnom Redaktionssitzung. Entsprechend wird es hier in den nächsten Tagen also ein wenig ruhiger sein. Das soll jetzt aber nicht heißen, dass hier gar nichts passiert. Denn wenn alles klappt, so unterwegs, dann kommen wir hier eventuell wirklich endlichendlich zu Hermcontent.

Die Eltern des kleinen Michel bitte ins Kinderparadies. Die Eltern des kleinen Michel bitte! Ein herrlich Gondryesker Kurzfilm von Francois Vogel:

Direkteffekt


Foto CC by Julian Turner

…sind alle Häuser finster und stumm.
Dreh dich noch einmal nach mir um.
Einmal für dich.
Einmal für mich.